Punkte-MPU

Flensburgpunkte-Aggressionsverhalten-Straftaten Moderne Geschwindigkeitskontrolle

Von den circa 100.000 MPU Anordnungen pro Jahr betreffen ca ein Viertel die Themen: Flensburg-Punkte, Straftaten und Aggressionsverhalten. Unter diese Gruppe von medizinisch-psychologische Untersuchungen zählen: erreichen einer bestimmten Flensburgpunkte-Höchstzahl, eine eventuell auch nur einmalig nachgewiesene Straftat am Steuer welche auf erhöhte Aggressionsbereitschaft hindeutet, mehrere Vorfälle mit Flensburgpunkten nach einer bereits stattgefundenen Verkehrsdelikte-MPU, beim Fahrerlaubnisantrag wenn aufgrund von Vordelikten bzw. Straftaten Bedenken gegen die charakterliche Eignung entstehen, in bestimmten Fällen, wenn für bestimmte Berufsgruppen besondere Punkte-Höchstwerte gelten. Auch Doppelfragestellungen gibt es: Punkte und Alkohol, Punkte und Aggression, Punkte und Drogen, uvam.

Eine “Medizinisch-Psychologische-Untersuchung” wegen zu vieler Punkte bzw. wegen Aggressions- oder Straftaten wird angeordnet, wenn:

  • ein Fahrer acht Flensburgpunkte oder mehr erreicht hat (seit 1. Mai 2014, früher 18 Punkte). Die alten Punkte werden über eine Schlüssel in die aktuelle Punktewertung umgerechnet.
    • ab 4 Punkten gibt es den ersten Hinweis, Betroffene haben die Möglichkeit durch ein FES (Fahreignungsseminar) einen Punkt abzubauen
    • ab 6 Punkten ist die Chance auf einen Punkteabbau vorbei, wenn der vorausgegangene Hinweis nicht beachtet wurde
    • ab 8 Punkten erfolgt der Entzug der Fahrerlaubnis. Nach sechs Monaten frühestens könnte eine Fahrerlaubnis wieder erteilt werden. Allerdings erfolgt eine Führerschein-Neuerteilung in diesem Fall erst dann, wenn eine MPU positiv abgelegt wurde.
  • Auf Anordnung der Behörde, bei mehreren Verstößen in der Probezeit, wenn bereits ein so genanntes ASF Seminar absolviert wurde
  • Ein “A – Verstoß” in der Rest – Probezeit, nach einer erfolgreich bestandenen Begutachtung (Fragestellung ist dabei unwichtig)
  • ein Fahrer ein oder mehrere Delikte begangen hat, die auf erhöhte Aggressionsbereitschaft schließen lassen. In der Praxis handelt es sich bei diesen Vergehen oft um Streitigkeiten im Verkehrsraum mit zum Teil nichtigen Auslösern. Wir hatten schon Kunden, die sich handgreiflich einen Parkplatz sichern wollten oder aufgrund Ärger den Vordermann durch viel zu dichtes Auffahren nötigten. Auch ein so genannter “Stinkefinger” kann so ausgelegt werden.
  • ein Fahrer durch seine Straftaten den Verdacht der Nichteignung hervorruft. Einige Fahreignungsgutachten wurden angeordnet, weil der Betroffene das Fahrzeug für Straftaten benutzte. Auch wir arbeiteten schon mit Leuten, die das Fluchtauto bei Einbruch oder Raub lenkten.
  • Auf Anordnung der Behörde, wenn Verdacht auf Nichteignung vorliegt – wenn zum Beispiel besonders rücksichtsloses Verhalten vorgelegen hat

Die Punktebewertung der einzelnen Delikte ist seit Mai 2014 so geregelt, dass es für gefährliche Zuwiderhandlungen je nach Schwere nur mehr einen, zwei oder drei Punkte gibt. Allerdings ist bei Erreichung von 8 Punkten Schluss. Die vergebenen Punkte sind mit verschiedenen Tilgungsfristen behaftet. Diese betragen entweder 2 1/2 Jahre, 5 Jahre oder gar 10 Jahre, gerechnet ab Rechtskraft. Zu beachten ist, dass die Zeit zwischen Tattag und Tag der Rechtskraft dazu gerechnet werden muss. Denn durch die sogenannte Überliegefrist, kann es zu – vielleicht zum Teil auch nur kurzfristigen – Punktehäufungen kommen.
Auf alle Fälle ist zu beachten, dass die hier behandelten MPU-Anlässe nicht zu einer §70-Kursauflage führen können, es gibt also nur erfolgreich oder durchgefallen. Das ist ein gravierender Unterschied zu einer Begutachtung wegen Alkohol oder einer Fahreignungsuntersuchung wegen Btm. (Drogen und / oder Medikamente). Bei den erwähnten Untersuchungs-Fragestellungen – Alkohol oder Drogen – gibt es noch eine dritte Möglichkeit. Sollte hier die Gutachterin oder der Gutachter zum Ergebnis kommen, dass zwar noch Defizite vorhanden wären, diese aber in einem sogenannten §70 – Kurs aus der Welt geschafft werden könnten, wird in einem solchen Gutachten eine Empfehlung für diesen Kurs ausgesprochen werden (Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung). In der Regel folgt die Fahrerlaubnisbehörde dann auch dieser Empfehlung der Begutachtungsstelle
Deshalb sollte man von irgendwelchen Selbstversuchen absehen und sofort mit einem MPU Berater (Kraftfahreignungsberater oder Psychologe) zusammenarbeiten.

Im Gespräch bei der Begutachtung steht ein Punktesünder oder Straftäter vor den Aufgaben:

  • Wie konnte es zu der Tat bzw. den Taten kommen?
  • Wie kam es zur Beratungsresistenz?
  • Wieso fruchteten die erlebten Strafen und Nachteile nicht?
    Die Warnkriterien für die sogenannten “Punktetäter” sind vielfältig. Wenn Betroffene alle Warnhinweise ignorieren, spricht das – von der Behörde und der Begutachtungsstelle aus betrachtet – für gewaltige Resistenz. Die Bußgelder, die Fahrverbote und die erhaltenen Punkte erzielten keine Wirkung. Es wurde keine Einlenkung zu einem Regel konformen Verhalten registriert. Irgendwann wurde dann die zum Entzug der Fahrerlaubnis nötige Punktezahl erreicht und der Führerschein eingezogen. Frühestens nach sechs Monaten, darf wieder eine Fahrerlaubnis erteilt werden.
  • Warum soll es jetzt anders laufen?

Wichtig ist es, die Sperrfrist sinnvoll zu nutzen. Viele unserer Kunden kamen mit uns in Kontakt, als ihre Sperre bereits abgelaufen war oder sie eine negative MPU hinter sich hatten. Deshalb – sofort nach Entzug der Fahrerlaubnis fachliche Hilfe beim Kraftfahreignungsberater oder Psychologen aufzusuchen, das wird Ihnen Nerven, Zeit und Geld ersparen.
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